Anwendungsbeispiel

Regionale intra-arterielle Chemotherapie bei Patienten mit Plattenepithel-Karzinomen der Tonsillen

Die Chemoradiotherapie stellt den Behandlungsstandard für Tumore des Kopf-Hals-Bereichs dar, auch wenn sie teils schwere Nebenwirkungen wie neurologische Noxen mit Sprach- und Hörverlust, Dysphagie, Xerostomie und dauerhaften Schleimhautentzündungen zeigt, die z. T. Tracheotomien und Sondenernährung notwendig machen und die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigen können. Die Suizidrate bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren liegt deutlich höher, als bei anderen Krebsformen und Suizid gilt für diese Patienten als signifikanter Risikofaktor. 

Um die Toxizität der Therapie zu senken und in akzeptablen Grenzen zu halten, wurde bei elf Patienten mit primären und rezidivierenden Plattenepithelkarzinomen der Tonisillen die Regionale intra-arterielle Chemotherapie mit implantierten arteriellen Kathetern über die A. Carotis durchgeführt. Vier der Patienten waren vor den Tumorrezidiven chemoradiotherapeutisch vorbehandelt, sieben Patienten waren ohne Vorbehandlung.

 

Klinisches Setting

Durchgeführt wurde die Regionale intra-arterielle Infusionstherapie mit einem in die A. Carotis implantierbaren arteriellen Katheter. Implantiert wurde der Katheter, wenn nach zwei Zyklen der Chemotherapie die Ansprache des Tumors nachgewiesen werden konnte. 

Kontrastbild eines arteriellen Katheters in der rechten Halsschlagader

Kontrastbild eines arteriellen Katheters in der rechten Halsschlagader

Bei zehn Patienten der Stadien II bis IVC wurden Chemofiltrationen nach der Tumorpassage der Chemotherapeutika durchgeführt, um die kumulative systemische Toxizität zu senken. Bei einem Patienten im Tumorstadium I wurde keine Chemofiltration durchgeführt, da dieser niedrigere Dosen Cisplatin, Adriamycin und Mitomycin C erhielt. 

Die Tabelle zeigt die Details zur Behandlung der Patienten mit der regionalen intra-arteriellen Chemotherapie.

Die Tabelle zeigt die Details zur Behandlung der Patienten mit der regionalen intra-arteriellen Chemotherapie.

Ergebnisse kompakt

Bei den Patienten ohne Vorbehandlung zeigten die Tumore klinisch eine vollständige Ansprache auf die Therapie. Sechs dieser Patienten zeigten vollständige Remission und waren im Beobachtungszeitraum von 20 bis 125 Monaten (Median 47 Monate) noch am Leben. Einer dieser Patienten zeigte nach 12 Monaten ein Tumorrezidiv und wurde radiotherapeutisch nachbehandelt. Innerhalb von 30 Monaten danach trat kein weiteres Rezidiv auf. Die vorbehandelten Patienten zeigten bei der Überlebenszeit einen Median von 7,5 Monaten bei nur geringer Ansprache des Tumors auf die Chemotherapie. Nebenwirkungen wie mit Sprach- und Hörverlust, Dysphagie, Xerostomie und dauerhaften Schleimhautentzündungen wurden nicht beobachtet. Tracheotomien und Sondenernährung wurden bei keinem der Patienten notwendig. Die beobachtete Myelosuppression entsprach nach WHO-Standard dem Grad 2 bei den Patienten ohne Vorbehandlung und dem Grad 3-4 bei Patienten mit chemoradiotherapeutischer Vorbehandlung. 

Die Tabelle zeigt die Charakteristiken, klinischen Stadien und klinischen Ergebnisse der behandelten Patienten.

Die Tabelle zeigt die Charakteristiken, klinischen Stadien und klinischen Ergebnisse der behandelten Patienten.

 
Klinisches Bild von Lymphknoten-Metastasen bei einem Patienten mit Plattenepithelkarzinom der Tonsillen vor und 16 Tage nach der ersten intra-arteriellen Infusionstherapie.

Klinisches Bild von Lymphknoten-Metastasen bei einem Patienten mit Plattenepithelkarzinom der Tonsillen vor und 16 Tage nach der ersten intra-arteriellen Infusionstherapie.

Schlussfolgerung

Durch die regionale intra-arterielle Applikation der Chemotherapie können trotz insgesamt geringerer Gesamtdosen hohe Konzentrationen der Chemotherapeutika im Tumor erzielt und dadurch die systemische Toxizität gesenkt werden. Bei Patienten ohne chemoradiotherapeutische Vorbehandlung lässt sich durch das Verfahren eine sehr gute langfristige Tumorkontrolle bei geringen bis keinen Nebenwirkungen erzielen. Die regionale intra-arterielle Chemotherapie über einen implantierbaren arteriellen Katheter in die A. Carotis stellt eine geeignete Methode für die intra-arterielle Applikation einer Chemotherapie dar und bietet durch geringe Nebenwirkungen Vorteile gegenüber der Standardtherapie. 

Weitere Details zu diesem Anwendungsbeispiel können Sie der Originalpublikation entnehmen.

 

Studie

Aigner KR, Gailhofer S, Aigner K. Carotid artery infusion via implantable catheters for squamous cell carcinoma of the tonsils. World Journal of Surgical Oncology (2018) 16:104