Epidemiologie 

Epidemiologie & Therapie: Kopf-Hals-Tumore nehmen zu

Zu den Kopf-Hals-Tumoren zählen Karzinome der Mundhöhle (Lippen, Zunge, Mundboden, Gaumen, Tonsillen und Speicheldrüsen) des nasopharyngealen Raums, des Pharynx, des Larynx und der Schilddrüse. Mit rund 26.000 Neuerkrankungen pro Jahr zählen Kopf-Hals-Tumore mittlerweile zu den fünf- bis sechshäufigsten Tumorarten in Deutschland. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Onkologie hat die Häufigkeit der Neuerkrankungen in den vergangenen zehn Jahren um rund 25 Prozent zugenommen. Bei mehr als zwei Drittel der Patienten werden diese Tumore erst in späteren Stadien diagnostiziert. In diesen Fällen sind die Therapieoptionen auch beim Einsatz neuer Immuntherapien mit Checkpoint-Inhibitoren sehr begrenzt. Eine aktuelle Studie zeigt allerdings, dass sich mit Verfahren der Regionalen Chemotherapie Vorteile im Hinblick auf die Überlebenszeit erzielen lassen (siehe Beitrag in diesem Newsletter Modul 1)

Geschlechtsspezifische und regionale Unterschiede

Männer sind insgesamt etwa viermal häufiger von Kopf-Hals-Tumoren betroffen als Frauen. Besonders gefährdet sind Männer in der zweiten Lebenshälfte. Der Altersgipfel der Erkrankung liegt zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. Neben geschlechtsspezifischen gibt es aber auch regionale Unterschiede beim Auftreten dieser Erkrankungen. Nach Erhebungen des statistischen Bundesamtes liegt die altersstandardisierte Sterberate bei Männern in den östlichen Bundesländern Deutschlands bei 14,85 pro 100.000 Einwohnern, in den meisten westlichen Bundesländern dagegen bei 9,00 bis 10,89 Sterbefällen pro 100.000 Einwohner. Die Sterberate bei Frauen ist dagegen annähernd gleich verteilt und liegt zwischen 2,54 und 3,00 Todesfällen pro 100.000 Einwohner. Hauptrisikofaktoren sind Rauchen und Alkohol. Allerdings passen rund 25 Prozent der Kopf-Hals-Tumore nicht in dieses Risikoprofil, da auch kanzerogene Chemikalien, Immunschwächen und onkogene Viren aus der Gruppe der HPV-Viren (humane Papilloma-Viren) Auslöser dieser Tumore sein können. Bei der überwiegenden Mehrzahl der Tumore handelt es sich um Plattenepithelkarzinome. Seltener sind Adenokarzinome, die sich im Drüsengewebe entwickeln. 

Oft zu späte Diagnostik

Nur etwa ein Drittel der Tumore wird in frühen Stadien (Stadien I oder II) diagnostiziert. Bei diesen Diagnosen liegt die Heilungschance noch zwischen 80 und 90 Prozent. Werden Tumore erst in weit fortgeschrittenen Stadien (IV A bis C) diagnostiziert, sinkt die Überlebenschance auf zehn bis 30 Prozent. Etwa die Hälfte aller Patienten überlebt nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Onkologie die fünf Jahre nach der Diagnose nicht. Trotz intensiver multimodaler Therapie entwickeln etwa 30 Prozent der Patienten nach Remission Lokalrezidive oder Fernmetastasen. 

Nur begrenzte Therapieoptionen in späten Tumorstadien

Bei kleinen Tumoren gelten die operative Entfernung und/oder Bestrahlung als Standardtherapie. Bei größeren Tumoren wird als Standard in der Regel zunächst operiert und dann bestrahlt – je nach Tumorstadium kombiniert mit einer Chemotherapie. Bei Rezidiven und Fernmetastasen gilt aufgrund der Daten der randomisierten Phase-III-Studie EXTREME seit etwa zehn Jahren die Kombination des monoklonalen Antikörpers Cetuximab mit Platinsalzen und 5-Fluorouracil im Rahmen einer Chemoimmuntherapie als Erstlinientherapie. Diese stellt allerdings eine Palliativmaßnahme dar, da die Erkrankung in diesen Stadien meist nicht mehr heilbar ist. Mit der Standardtherapie werden Remissionsraten von 20 bis 30 Prozent erreicht. Allerdings liegt die Überlebenszeit in fortgeschrittenen Stadien im Mittel zwischen fünf und sechs Monaten.

Checkpoint-Inhibitoren als erweiterte Therapieoption

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Mit der Einführung der Checkpoint-Inhibitoren haben sich weitere Therapieoptionen ergeben. In der randomisierten Phase-III-Studie Check-Mate-141 konnte gezeigt werden, dass die Immuntherapie mit dem Check-Point-Inhibitor Nivolumab dem bisherigen Standard mit entweder Docetaxel, Methotrexat oder Cetuximab im randomisierten Kontrollarm der Studie hinsichtlich der Gesamtüberlebenszeit überlegen ist: So lag die mediane Überlebensdauer im Nivolumab-Arm der Studie mit 7,5 Monaten statistisch signifikant höher als im Kontrollarm mit 5,1 Monaten. Die Gesamtüberlebensrate nach einem Jahr war im Nivolumab-Arm mit 36 Prozent mehr als doppelt so hoch wie mit der Chemotherapie (16,6 Prozent Überlebensrate).