Kasuistik

Regionale Chemotherapie stellt vielversprechende Therapiealternative dar


Kasuistik 1

Geschlecht: Männlich
Alter: 60

 

Diagnose

  • Beidseits zervikal metastasierendes Oropharynxkarzinom (Tonsille) rechts,
    cT3, cN2b, UICC stage IVA, ED 10/2010

  • Histologie: Plattenepithelkarzinom, G2

 

Verlauf und Therapie

Bei dem damals 60-jährigen Patienten wurde im Oktober 2010 ein ausgedehnt lymphatisch metastasierendes Plattenepithelkarzinom der Tonsille rechts diagnostiziert. Bei dem durchgeführten CT von Dezember 2010 zeigten sich beidseits zervikal große, zum Teil zentral nekrotische metastasensuspekte Raumforderungen sowie eine deutliche Verplumpung des weichen Gaumens rechts. Dem Patienten wurde extern zu einer operativen Entfernung des Tumors mit Neck dissection beidseits und Tracheostomaanlage sowie anschließender Radiotherapie geraten.

Bei der ersten stationären Aufnahme am 05.12.2010 im Medias Klinikum Burghausen, berichtet der Patient über Halsschmerzen sowie eine heisere Stimme. Rechts zervikal deutlich vergrößerte Lymphknotenkonglomerate. Der Patient erhielt den ersten Zyklus regionaler Chemotherapie in Form einer isolierten Thoraxperfusion mit Gabe der Chemotherapeutika via angiographisch platzierte A. carotis communis Katheter beidseits und gleichzeitiger Chemofiltration. Die verwendeten Chemotherapeutika waren Cisplatin, Adriamycin und Mitomycin C. Ein Kontroll-CT nach diesem ersten Zyklus regionaler Chemotherapie vom 05.01.2011 zeigte im Vergleich zur Voruntersuchung vom 02.12.2010 eine deutliche Größenregredienz der pathologisch vergrößerten Lymphknoten in der oberen Jugularisgruppe links als auch eine rückläufige Schwellung im Bereich des Oropharynx. So war z.B. ein Lymphknoten von vormals 50 x 35 x 20 mm auf 30 x 15 x 20 mm geschrumpft.

Bei dem zweiten stationären Aufenthalt vom 02.01.2011 erfolgte die Implantation eines A. carotis communis Katheters (Jet Port Allround) beidseits und am 18.01.2011 ein zweiter Zyklus mit Gabe von Cisplatin, Adriamycin und Mitomycin C via implantierte A. carotis Katheter bei gleichzeitiger Chemofiltration via Sheldonkatheter in der V. jugularis interna. Bei der Aufnahme am 17.01.2011 war das vormals submandibulär gelegene Lymphknotenpaket nicht mehr tastbar, der Patient berichtete jetzt über problemloses Spielen auf dem Saxophon, was vor der Chemotherapie aufgrund der Tumorinfiltration des weichen Gaumens nicht mehr möglich war. Nachfolgend erhielt der Patient am 15.02.2011 und am 25.03.2011 zwei weitere Zyklen via implantierte A. carotis Katheter bei gleichzeitiger Chemofiltration via Sheldonkatheter.

Unter der regionalen Chemotherapie hat der Patient nicht nur eine Verbesserung seiner Lebensqualität erfahren, sondern konnte auch seinem Beruf als Saxophonspieler wieder nachgehen. Der Patient brauchte weder ein Tracheostoma noch eine Ernährungssonde (PEG).  Er ist nunmehr seit 8 Jahren und 3 Monaten rezidivfrei, auch anderweitige Metastasen sind bislang nicht festgestellt worden. Sämtliche, seit Beendigung der regionalen Chemotherapie durchgeführten Kontroll-Untersuchungen wie CT, Panendoskopie mit Tiefenbiopsien (am 21.09.2011), MRT blieben ohne Nachweis eines Lokalrezidives, bzw. die durchgeführte Panendoskopie und Biopsie ohne Nachweis von malignen Zellen.

 

Zusammenfassung

Mit der hohen lokalen Zytostatikakonzentration durch die intraarterielle Gabe der Chemotherapeutika konnte eine anhaltende komplette Remission des Tumors und der Lymphknotenmetastasen bei erhaltener Lebensqualität ohne operative Entfernung erreicht werden.

 

Kasuistik 2

Geschlecht: Männlich
Alter: 45

Diagnose

  • Zungengrundkarzinom rechts mit Überschreitung der Mittellinie, ED 10/2016

  • Histologie: Plattenepithelkarzinom

  • Primärstadium cT3, cN2b, cM0, UICC stage IVA

  • MRT 12/2016: Zungengrundkarzinom/Tumor Glossotonsillarfurche mit Überschreiten der Mittellinie (5,6 x 4,5 x 6 cm). Verdacht auf Lymphknotenmetastasen rechts zervikal (submaxillär 3 x 1,5 x 1,8 cm). Vergrößerung eines weiteren Lymphknotens ipsilateral.

Verlauf und Therapie

Bei dem damals 45-jährigen Patienten mit klinisch T3 Karzinom des Zungengrundes und Metastasen in multiplen ipsilateralen Lymphknoten (cN2b) wurde am 20.12.2016 ein erster Zyklus regionaler Chemotherapie mit Gabe der Chemotherapeutika Cisplatin, Adriamycin und Mitomycin C via angiographisch platzierte A. carotis communis Katheter beidseits und gleichzeitiger Chemofiltration via Sheldonkatheter durchgeführt (Abb. 1 vor regionaler Chemotherapie).

Vor regionaler Chemotherapie

Vor regionaler Chemotherapie

Bereits nach dem ersten Zyklus regionaler Chemotherapie war makroskopisch zwei Wochen später ein deutlicher Rückgang des Zungengrundkarzinomes rechts feststellbar. Es waren nur noch kleine Reste sichtbar. Die Schmerzstärke betrug jetzt Stadium 1, vormals Stadium 3. Die orale Nahrungsaufnahme hatte sich deutlich gebessert, ebenso das Gewicht des Patienten. Klinisch fand sich kein sicherer Anhalt mehr für Lymphknotenmetastasen zervikal rechts.  

Am 18.01.2017 erfolgte ein zweiter Zyklus, mit Gabe der Chemotherapeutika via angiographisch platzierte A. carotis communis Katheter beidseits und gleichzeitiger Chemofiltration bei gleichzeitiger Chemofiltration (Abb. 2 vier Wochen nach erster Therapie).

Vier Wochen nach erster Therapie

Vier Wochen nach erster Therapie

Das Kontroll-CT vom 17.02.2017 zeigte im Vergleich zur Voruntersuchung von Dezember 2016 eine Volumenreduktion des Zungenkarzinomes rechts von 3,8 x 4,5 x 6 cm auf jetzt 1,9 x 1,7 x 2 cm. Es fanden sich beidseits zervikal noch kleine Lymphadenopathien.

Bei Aufnahme am 02.03.2017 hatte der Patient erneut ca. 3 kg Gewicht zugenommen. Die Schmerzstärke betrug jetzt Stadium 0, die orale Nahrungsaufnahme war weiterhin ungestört, die Lymphknotenmetastasen beidseits zervikal klinisch nicht mehr nachweisbar. Am 03.03.2017 erfolgte ein dritter Zyklus wiederum mit Gabe der Chemotherapeutika via angiographisch platzierte A. carotis communis Katheter beidseits und gleichzeitiger Chemofiltration via Sheldonkatheter (Cisplatin, Adriamycin und Mitomycin C rechts).

Das Kontroll-PET/CT vom 28.09.2017 ergab insgesamt eine komplette metabolische Remission des Primärstadiums. Auch die MRT-Untersuchung vom 02.04.2018 ergab keinen Hinweis für ein Lokalrezidiv noch für Lymphknotenmetastasen im untersuchten Gebiet. Der Patient hat weiterhin an Lebensqualität gewonnen und ist seit nunmehr 28 Monaten rezidivfrei.

Zusammenfassung

Bereits nach dem ersten Zyklus regionaler Chemotherapie kam es zu einer sehr guten partiellen Remission und stetig zu einer Zunahme der Lebensqualität. Weder musste ein Tracheostoma noch eine Ernährungssonde angelegt werden.